Einfache Antworten auf schwierige Fragen sind rückgratlos.
Ein Dilemma ist keine Frage, die man richtig oder falsch beantworten kann. Es ist eine Situation, in der jede Entscheidung etwas kostet.
Man denke an das berühmte Trolley-Problem der Philosophin Philippa Foot: Soll man eine Weiche umlegen, um Menschen auf Kosten eines anderen zu retten? Wobei hier gleich zwei Dilemmata zum Vorschein kommen:
- Soll man überhaupt eingreifen? Immerhin übernimmt man keine Verantwortung, wenn man keine Entscheidung trifft, sondern einfach den Dingen ihren Lauf lässt.
- Wenn man eingreift: Ist es moralisch gerechtfertigt, einen – bislang nicht gefährdeten Menschen – zu opfern, um mehrere andere zu retten? Ist also ein Menschenleben auszulöschen das geringere Übel, wenn damit mehrere Menschen am Leben bleiben?
Das Wort Dilemma kommt aus dem Griechischen: di (zwei) und lēmma (Annahme, Prämisse). Ein Dilemma beschreibt eine Situation, in der zwei einander widersprechende Positionen beide gute Gründe für sich haben – und in der keine Wahl ohne Verlust möglich ist. Es ist kein Zeichen von Schwäche, in einem Dilemma zu stecken. Es ist ein Zeichen, dass man die Wirklichkeit ernst nimmt. Und es ist ein Zeichen von Stärke, in einem Dilemma Entscheidungen zu treffen. Einfach zuzusehen und nichts zu tun hingegen ist ein Zeichen von Feigheit. Oder – im besten Fall – ein Zeichen der Ohnmacht.
Die Philosophie beschäftigt sich seit der Antike mit Dilemmata. Aristoteles nannte es das Problem der praktischen Vernunft: Wie handeln wir richtig, wenn das Richtige nicht eindeutig ist? Immanuel Kant formulierte seinen kategorischen Imperativ als Versuch, moralische Handlungen von situativen Widersprüchen zu befreien – und stieß dabei selbst an Grenzen. Utilitaristen wie John Stuart Mill versuchten, durch die Berechnung von Nutzen und Schaden einen Ausweg zu finden. Doch auch dieser Weg führt oft in neue Dilemmata: Wessen Nutzen zählt mehr? Ab wann wiegt Schaden schwerer als Gewinn?
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Jeder Beitrag versucht, beide (oder mehrere) Seiten einer Frage zu reflektieren. Dazu werden die Dilemmata benannt, um das Denken zu schärfen. Und damit die Fähigkeit auszuhalten, dass etwas gleichzeitig richtig und falsch sein kann. Denn die Alternative – die Welt in Gut und Böse zu teilen und die eine Seite für eindeutig im Recht zu erklären – ist keine Stärke, sondern einfach nur Rückgratlosigkeit.